Samstag, 05.04.2025

Was bedeutet Parentifizierung? Eine tiefere Einsicht in die Auswirkungen auf Kinder und Familien

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Parentifizierung, auch bekannt als Parentifikation, beschreibt einen Prozess, bei dem Kinder frühzeitig in die Elternrolle gedrängt werden. Dies geschieht häufig in Familien, in denen Eltern emotional oder materiell überfordert sind und ihre Kinder als Partnerersatz oder sogar Elternersatz betrachten. In solchen Fällen übernehmen Kinder Aufgaben und Verantwortung, die normalerweise den Erwachsenen vorbehalten sind, und erleben somit eine Rollenumkehr, die gesundheitliche und psychische Folgen haben kann.

Diese ungesunde Dynamik kann in Form von emotionalen Lasten auftreten, wenn Kinder versuchen, die Bedürfnisse ihrer Eltern zu erfüllen, oder sie tragen materielle Lasten, wenn sie zum Familieneinkommen beitragen müssen. In der Familientherapie wird Parentifizierung oft als ein zentrales Thema erkannt, das die Beziehung zwischen Eltern und Kindern belastet. Therapeuten, die in der Psychotherapie oder Psychoanalyse tätig sind, stehen der Herausforderung gegenüber, diese ungesunden sozialen Rollen zu adressieren und den Kindern zu helfen, wieder in ihre ursprüngliche Rolle als Kinder zu finden. Die Auswirkungen dieser Umstände können sich sowohl auf die Entwicklung der Kinder als auch auf die gesamte familiäre Dynamik auswirken.

Wie tritt Parentifizierung in Familien auf?

In vielen Familiensystemen kann es zu einem Rollentausch kommen, bei dem Kinder ungewollt die emotionale oder physische Verantwortung für ihre Eltern übernehmen. Dieser Prozess, bekannt als Parentifizierung oder Parentifikation, geschieht häufig, wenn die elterliche Verantwortung aufgrund von Stress, Krankheit oder emotionaler Instabilität nicht erfüllt werden kann. Kinder, die in solchen Situationen aufwachsen, fühlen sich gezwungen, die emotionalen Bedürfnisse ihrer Eltern zu erfüllen und deren Pflichten zu übernehmen, was oft zu einer emotionalen Parentifizierung führt.

Risikofaktoren wie Scheidung, psychische Erkrankungen oder Suchtproblematiken können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Kinder in eine solche Rolle gedrängt werden, mit weitreichenden Folgen für ihr Wohlbefinden und ihre Entwicklung. So besteht die Gefahr, dass sie lernen, ihre eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen und stattdessen Verantwortung zu übernehmen, die nicht ihrem Alter entspricht. Diese Rollenveränderungen können nicht nur kurzfristige Belastungen verursachen, sondern auch langfristige Spätfolgen für die betroffenen Kinder mit sich bringen. In der Familientherapie wird oft versucht, das Gleichgewicht innerhalb der Familie wiederherzustellen und die soziale Rollenverteilung zu klären, um den Kindern ihre kindliche Unbeschwertheit zurückzugeben.

Die Auswirkungen auf Kinder und Eltern

Eltern und Kinder sind oft gemeinsam von den Folgen der Parentifizierung betroffen, insbesondere in Krisensituationen wie finanziellen Schwierigkeiten, Krankheit, Tod oder Scheidung. In diesen herausfordernden Phasen übernehmen Kinder häufig die Rolle von Betreuer:innen und Verantwortlichen für ihre Familienmitglieder. Diese instrumentelle Parentifizierung führt dazu, dass sie alltagspraktische Tätigkeiten wie Essen zubereiten, Einkaufen oder Kinderbetreuung erledigen müssen, um die Versorgung der Familie sicherzustellen. Die dadurch emporgehobene Verantwortung kann für Kinder überwältigend sein und ihre emotionale sowie psychische Gesundheit negativ beeinflussen. Spätfolgen zeigen sich oftmals in einem gestörten Selbstbild, Schwierigkeiten in Beziehungen und erhöhter Anfälligkeit für psychische Erkrankungen. Es ist wichtig, Lösungs-Vorschläge für betroffene Familien zu entwickeln, um die Negativfolgen der Parentifizierung zu mindern und den betroffenen Kindern zu helfen, ihre Kindheit zurückzugewinnen. Eine frühzeitige Intervention könnte es den Kindern ermöglichen, ihre Rolle zu überprüfen und Unterstützung zu erhalten, wodurch ein gesünderes Familienklima gefördert wird.

Hilfsansätze für betroffene Familien

Eltern, die sich in einer Parentifizierungssituation befinden, sollten sich bewusst machen, dass es zahlreiche Hilfsansätze gibt, um die negativen Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung zu mildern. Zunächst ist es wichtig, die Rollenumkehr zu erkennen und die Verantwortung von den Kindern zu den Erwachsenen zurückzuführen. Professionelle Unterstützung durch Therapeuten, die in Helferberufen tätig sind, kann dabei helfen, psychische Störungen zu identifizieren und zu behandeln, die aus den familieninternen Rollen resultieren.

Eine wichtige Methode ist die Förderung der Geschwisterbeziehungen, um ein gesundes emotionales Umfeld zu schaffen, in dem Kinder ihre Bedürfnisse äußern können. Dies kann auch durch regelmäßige Familiengespräche geschehen, die den Kindern als emotionaler Betreuer dienen, während die Eltern als praktische Betreuer auftreten. Angesichts der Spätfolgen, die aus einer ungesunden Parentifizierung resultieren können, sollte proaktive Hilfe nicht vernachlässigt werden. Eine frühzeitige Intervention kann dazu beitragen, die psychologischen Folgen zu lindern und langfristig ein gesundes Familienklima zu fördern. Die Rückkehr zu einer stabilen Rollenverteilung spielt eine zentrale Rolle in diesem Prozess.

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